Natur- bzw. Waldhochseilgärten haben derzeit Hochsaison. Jedes Jahr entstehen in Deutschland zahlreiche weitere Waldklettergärten, Kletterwälder und Abenteuerparks, die alle ein unvergessliches Naturerlebnis versprechen. Leider geht der Trend dahin, immer größere Anlangen mit immer mehr Elementen zu bauen - oftmals zum Leidwesen des Naturerlebnisses. Wo soll denn noch Natur wahrgenommen werden, wenn das Waldbild mit Plattformen und Kletterelementen überfrachtet ist? Auf diese Weise wird der Wald zur auswechselbaren Kulisse degeneriert und verschwindet schließlich im Hintergrund. Dazu kommt eine begrenzte Kletterzeit, die aus einem bewussten Erleben ein bloßes Konsumieren macht. Kletterelemente und Parcours werden nach Bewältigung abgehakt und dann geht es schnell zum nächsten; schließlich drängt die Zeit. Das Innehalten und das bewusste Wahrnehmen der Umgebung bleibt da oftmals auf der Strecke. Im heimischen Wohnzimmer bleibt dann schließlich die Frage: "Wald? War da Wald?".
Dabei bieten aber gerade Naturhochseilgärten eine optimale Voraussetzung den Wald als Naturraum in besonderer Weise zu erleben. Wo kann man schon den Wald in bis zu 10 Meter Höhe kletternd entdecken? Baumwipfelpfade, wie im Nationalpark Hainich haben diesen Gedanken schon längst aufgegriffen und führen Besucher in massiven Stahl- und Betonkonstruktionen durch den Kronenbereich der Bäume. Dabei wird über klassische Lehrtafeln und Erlebnisstationen Waldwissen vermittelt. Aufgrund der massiven Bauweise ist das Betreten einer solchen Anlage ohne zusätzliche Sicherung möglich. Zwangsläufig entsteht dadurch aber auch eine gewisse Distanz zum Wald. Um wie viel näher ist man den Bäumen in Naturhochseilgärten - vorausgesetzt, man ist sich dessen bewusst!
Wie kann es also gelingen den Wald wieder stärker in das Bewusstsein des Besuchers eines Naturhochseilgartens zu rücken, der vordergründig nur zum Klettern in den Wald kommt? Die Antwort: Indem man zeitweilig die Fokussierung auf das Klettern löst und den Blick zielgerichtet auf und in den Wald lenkt. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit in jedem Naturhochseilgarten: nämlich dann, wenn der Besucher auf einer Plattform wartet, dass die nächste Übung frei wird. An diesem Punkt setzt die Idee des Höhenlehrpfads an. Höhenlehrpfade nutzen die Wartezeit auf den Plattformen, um in dieser Zeit Wissen über den Wald, in dem man gerade klettert, zu vermitteln und stärken auf diese Weise das bewusste Erleben des Waldes.